Interview mit Yves von Ballmoos

Der Initiant und Turnierdirektor des Zurich Youth Masters ist seit Kindesbeinen mit Pferden verbunden und selbst in vielen Disziplinen sportlich erfolgreich gewesen. Heute ist der Ökonom und Unternehmensberater mit seinen Söhnen auf den internationalen Renn- und Concours-Plätzen anzutreffen und steigt ab und zu noch selbst an einem Turnier in den Sattel. Zusammen mit einem engagierten OK organisiert er 2022 mit den Zurich Youth Masters in Dielsdorf den ersten Freiluft-CSIO für Nachwuchsreiterinnen und -reiter seit über einem Jahrzehnt in der Schweiz. 

Zurich Youth Masters: Warum braucht es ein internationales Jugendturnier in der Schweiz?

Yves von Ballmoos: Um sich der internationalen Konkurrenz stellen zu können, fahren Nachwuchsreiterinnen und -reiter aller Alterskategorien mit ihren Eltern und Coaches und ihren Pferden regelmässig über grosse Distanzen ins Ausland. Gezwungenermassen, denn es gibt in der Schweiz seit Jahren, mit Ausnahme des internationalen Jugendturniers in Chevenez JU, keine Startmöglichkeiten auf CSI-Niveau. Die Gründer des Vereins Zurich Youth Masters, Toni Laurino, Philipp Jöhr, Matthias Lienhop und ich, sind der Überzeugung, dass mit einem grösseren internationalen Jugendturnier in der Schweiz ein weiterer Schritt in der Förderung unseres Nachwuchses getan werden kann. Nebst den Nachwuchsspitzenreitern profitieren davon auch die erweiterten Kadermitglieder und Regionalkaderreiter aufgrund einer grossen Anzahl Startplätze für hiesige Reiter. 

Welche Bedeutung hat es für den Schweizer Nachwuchs?

Der internationale Wettbewerb ist für unseren Schweizer Nachwuchs von essenzieller Bedeutung. Zum einen haben mehrtägige Veranstaltungen ihre eigene Wettkampfdynamik, die sich mit den hierzulande häufigen Eintageseinsätzen nicht simulieren lassen. Zum anderen gilt es im Kräftemessen mit der europäischen Spitze das eigene Niveau zu erkennen und sich zu vergleichen, um sich verbessern zu können. Der Wettbewerb mit den Besten am Zurich Youth Masters gibt unserem Nachwuchs die Gelegenheit, sich in der Schweiz und vor Heimpublikum zu profilieren und auch zu zeigen, wie gut das sportliche Niveau hierzulande ist. Nicht zu vernachlässigen ist die Förderung des Teamgeists im Rahmen eines solchen Anlasses sowie die Möglichkeit, internationale Freundschaften zu schliessen. Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass solche Freundschaften oft ein Leben lang halten. 

Wie erleben Sie den Aufbau und die Organisation dieses Turniers?

Ich freue mich sehr über die bisherige Resonanz, die wir erhalten, und bin sehr dankbar für das grosse Wohlwollen und die Sympathien, mit denen unserer Initiative für eine neues Jungendturnier begegnet wird. Wir erhalten Zuspruch und vor allem grossartige Unterstützung von allen Seiten, von Sponsoren, Behörden, Verbänden, Eltern, Freunden und Lieferanten. Gerade die Initialaufwendungen für ein solches Turnier mit einem Budget von knapp CHF 300’000.- sind enorm. Ein grosses Dankeschön geht dabei an unser OK, welches sich unermüdlich für unseren Anlass einsetzt. 

Welche Herausforderungen gibt es noch zu bewältigen?

Noch etwas Kopfschmerzen bereitet mir zurzeit, die benötigten Helfer für den Anlass zu finden. Da wir den Concours ohne einem Reitverein im Rücken organisieren, sind wir auf «Volontaris», also freiwillige Helfer angewiesen. Hierfür haben wir auf unserer Website eine entsprechende Seite aufgeschaltet, wo sich Freiwillige und Unterstützer anmelden können. Ich hoffe, wir erleben auch da einen hohen Zuspruch. 

Mit wie vielen Teilnehmenden rechnen Sie?

Wir hoffen, am ersten Zurich Youth Masters 150 bis 200 Reiterinnen und Reiter begrüssen zu dürfen. Das vorgesehene Programm wird es nebst den Kadermitgliedern auch vielen Schweizer Reiterinnen und Reitern erlauben an den Start zu gehen, die sonst vielleicht weniger an internationalen Turnieren teilnehmen.

Die aufwendige Verzollung von Pferden für die Einreise zur Teilnahme an Turnieren in der Schweiz stellt eine grosse Hürde für ausländische Reiterinnen und Reiter dar. Wir wollen diesbezüglich keinen Aufwand scheuen, um möglichst viele internationale Teilnehmer bei uns begrüssen zu dürfen. So werden wir beispielsweise die kostenlose Abwicklung der Zollformalitäten mit Freipässen für alle Pferde übernehmen und diese an den entsprechenden Zollstellen für die Teilnehmenden, die aus dem Ausland anreisenden, bereitstellen. 

Was werden die Highlights der ersten Durchführung sein?

Ich freue mich besonders auf die Nationenpreise, die wir in den Kategorien Children und Junioren auf dem Programm haben. Diese Teamwertung ist bei der Elite bekanntlich etwas vom Prestigeträchtigsten im Reitsport, das es gibt, und das ist auch beim Nachwuchs so. Der Teamwettbewerb unter verschiedenen Nationen ist wie keine andere Prüfung jeweils begleitet von vielen Emotionen, und der Gewinn eines Nationenpreises gilt immer noch als etwas vom Grössten. Ein weiterer sportlicher Leckerbissen wird sicherlich auch der gut dotierte U25 Grand Prix werden.

Was sind Ihre Zukunftsziele mit diesem Event?

Zunächst freuen wir uns sehr auf die erstmalige Austragung im Jahr 2022, die wir mit grosser Motivation und viel Enthusiasmus und Engagement vorbereiten, und hoffen natürlich auf eine ebensolche Resonanz bei den Teilnehmenden, deren Umfeld und bei den Besuchern aus dem In- und Ausland. Mittel- und langfristig wollen wir das Turnier als feste Grösse im internationalen Veranstaltungskalender etablieren und zeigen, dass wir, trotz der etwas schwierigen Lage der Schweiz aufgrund der Pferdeverzollungen, ein attraktives, kompetitives und abwechslungsreiches Jugendturnier veranstalten können, auf das sich die Nachwuchsreiterinnen und -reiter freuen und gerne teilnehmen. Ein Vorbild sind für uns diesbezüglich sicherlich Lamprechtshausen (AUT) oder Hagen (DE), die seit Jahren erstklassige Turniere für den Nachwuchs organisieren. Nicht unerwähnt soll die nachhaltige finanzielle und personelle Sicherung des Anlasses sein, wofür wir auch in Zukunft auf Unterstützung von allen Seiten angewiesen sind.